Kernaussage

Einige Städte in Deutschland machen es bereits vor – sie erarbeiten Konzepte für einen kostenlosen ÖPNV oder haben es schon, wie Augsburg mit der City-Zone, umgesetzt. Ich meine, diese Konzepte sind noch zu vorsichtig und gehen nicht weit genug. Mobilität ist ein grundlegendes Bedürfnis der Menschen und darin möchten sie keine Konzessionen machen und das zurecht. Ziel muss es sein, weniger Verkehr auf Stuttgarts Straßen zu haben und nicht mehr.

Problem / Hintergrund

Jeder will mobil sein und sich individuell fortbewegen können. Ich sehe das auch als ein Grundbedürfnis an. Die Menschen wollen aber auch mehr Lebenszeit und mehr Lebensqualität, weshalb im Stau stehen oder sich in überfüllte Busse oder Stadtbahnen zu quetschen sich nicht so recht mit diesem Grundbedürfnis vereinbaren lässt.

Insbesondere zur Hauptverkehrszeit sind bei den Stuttgarter Stadtbahnen schon jetzt die Taktzeiten vollständig ausgereizt und die Züge randvoll. Es können nicht wesentlich mehr Stadtbahnen auf die Gleise gebracht werden. Ferner stehen auch Busse zu den Stoßzeiten bei dichtem Verkehr oft im Stau. Die Kapazitäten sind nicht groß genug und zukünftig soll die Verkehrsleistung im ÖPNV noch steigen von derzeit 18,0% auf 25,8% in den nächsten 10 Jahren. Hier ist aber auch der Stuttgart 21 Zugverkehr der Bahnen, welcher über den Stuttgarter Hauptbahnhof rollen soll, mit einkalkuliert. Dennoch bedarf es auch bei den Stadtbahnen einer Kapazitätssteigerung, um damit Schritt halten zu können.

Die bisherigen Konzepte, die in anderen Städten bestehen, sind nicht wirklich darauf ausgerichtet, die Pendler abzuholen und das, obwohl Pendler mit zu den Hauptverursachern des Verkehrs zählen. Man setzt den Hebel oftmals am falschen Ende an und nicht dort, wo Verkehr eigentlich entsteht.

Lösungsansätze

  • Stuttgart könnte mit einem Paukenschlag aus der Schmuddel Ecke Deutschlands hervortreten, in dem sie als erste Großstadt Deutschlands einen absolut kostenlosen Personennahverkehr anbietet. Hierzu bedarf es aber neben der Finanzplanung auch kluge Konzepte, die insbesondere die Hauptstoßzeiten berücksichtigen. In den Randzeiten lässt sich so ein Konzept noch eher realisieren. Um dennoch das zusätzliche Personenaufkommen befördern zu können, müssen auch bauliche Veränderungen vorgenommen werden.
  • Wir brauchen die Hochbahnsteigverlängerung der U1 Richtung Fellbach, damit wir dort 80-Meter-Züge einsetzten und das Doppelte an Personen befördern können. Diese Art der Kapazitätserweiterung müssen wir auch an anderen Standorten diskutieren und ausloten, damit es ein ganzheitliches Konzept wird.
  • Abschaffung des unglücklich geplanten X1 der nur schwach genutzt wird, aber mehr Verkehr auf die Straße bringt. Dieses Projekt ist ein Rohrkrepierer und muss so schnell wie möglich eingestellt werden.
  • Mit dem Wegfall von ca. 500 Ticketautomaten im Stadtgebiet, deren Unterhalt und Wartung sowie 19 Vollzeit- und etlichen fremd beauftragten Fahrkartenkontrolleuren, lassen sich zusätzliche Kosten in Millionenhöhe sparen. Dies muss in der Kalkulation mit berücksichtigt werden. Davon abgesehen haben Kontrollen immer auch etwas von Misstrauen und Unbehagen, egal ob man schwarz fährt oder ob man einen Fahrschein hat. Die Arbeitskraft unserer Kontrolleure, welche zumeist gleichzeitig als Stadtbahnfahrer oder Busfahrer unterwegs sind, kann besser eingesetzt werden als für Kontrollen.